Kloster St. Gallen und die drei Weier

Elisabeth Gimpert berichtet vom Ausflug der Gruppe Ja-SL.
Kloster St. Gallen und die drei Weier

Ein Bär bringt Gallus einen Holzstamm für das Feuer.

 

An einem angenehm sonnigen Tag erhielten wir vor dem Kloster St. Gallen eine super Führung in Frau Schneider. Sie liess uns gleich mal im Dom Platz nehmen und erzählte uns, wie 612 ein irischer Mönch, namens Gallus, auf der Missionsreise erkrankt zurückbleiben musste.

An der Steinach stolperte er über eine Wurzel in ein Dornengestrüpp und erkannte darin Gottes Wille, hier in einer einsamen Zelle zu bleiben und zu missionieren. Während dem Gebete tauchte ein Bär auf, den bat er Holzstämme für das Feuer zu holen und gab ihm dafür Brot zu fressen. 

Um 719 kam der Alemanne Otmar und errichtete aus der losen Eremitensiedlung am  Gallusgrab eine benediktinische Klostergemeinschaft und ein Spital, das erste in der Schweiz.

Dank seiner Schulen und der Bibliothek wurde das Kloster St. Gallen zu einem der kulturellen Brennpunkte des Abendlandes. Das Deckengemälde bietet einen Blick ins Paradies mit 72 Heiligen insgesamt im Dom.

An den Wänden, am Chorgitter, überall finden sich Rosen und Akanthusblätter, eingefärbt mit Grünmalachit als Symbol des immer neu aufblühenden ewigen Lebens. Der neue 40 cm tiefe mit gesegnetem Wasser gefüllte Taufstein überraschte uns besonders: exzentrisch spiegelt sich grandios das Kuppelgemälde und nicht nur das: unsere Köpfe entdeckten wir genauso im Wasserbild, Symbol, dass wir alle Kirche sind.

Über dem Eingang zur Bibliothek stand in Griechisch: „Seelenapotheke“, Heilstätte für die Seele. Der Bibliotheksaal wurde unter Fürstabt Cölestin Gugger fast gleichzeitig mit der heutigen Kathedrale (1758 – 1767) in spätbarockem Stile errichtet. Auf den Deckengemälden sind die vier ersten Konzilen: Nicäa (325), Konstantinopel (381), Ephesus (431) und Chalcedon (451) eindrücklich dargestellt. Die Stiftsbibliothek umfasst 170‘000 Bände und über 2‘100 Handschriften, teils aus der Zeit vor dem Jahr Tausend und machen somit diese Bibliothek zu einer der wichtigsten Handschriftenbibliotheken der Welt. Im 9. Jh. kam Notker der Deutsche, Arzt und Dichter; er übersetzte als Erster aus dem Latein ins Deutsche. Über Psalmversen wurden kunstvoll sogenannte Noumen eingezeichnet (erste Notenschrift um das 8.-9. Jh). Pergamentblätter wurden aus den Häuten von Schafen und Ziegen aus dem Klosterstall gewonnen. Wir konnten ein echtes Pergamentblatt betasten und erfühlen.

Im Restaurant Facincani wurden wir ausgesprochen fein verwöhnt und genossen unser Zusammensein. Danach spazierte ein Teil von uns gemütlich in den Gassen der Altstadt. Der andere fuhr mit der Mühleggbahn der Steinach entlang hoch zu den 3 Weiern. Mutig wagten wir mit unserer Rollstuhlfahrerin den schmalen Weg entlang den Weihern. Welch Überraschung: oben erlebten wir eine wundervolle Sicht auf St. Gallen und sein Kloster sowie eine Sicht weit über den Bodensee bis nach Friedrichshafen. Per Bus ging‘s zurück zum Bahnhof, wo wir einige St. Galler Spezialitäten kauften und beide Gruppen sich wieder trafen. Kathrin beschenkte jedes von uns mit einem St. Galler Biberherzchen. So ging‘s heimwärts voller guten Eindrücke, müde und glücklich über das Erlebte und getragen von unserer Gemeinschaft.

Ein grosses Dankeschön unserer Behindertenseelsorge!

Elisabeth Gimpert


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