Wie lebt Jesus Inklusion?

Rückblick auf Forum-Nachmittag vom 2. Mai 2015

Und dies alles in einer ganz anderen Zeit als die unsere…

14 Personen, einige Entschuldigungen, das zeigt doch ein grosses Interesse am Thema Inklusion von christlicher Seite her gesehen. Wir empfingen sogar einen Ehrengast: Irene Meier vom Förderverein. Ihre Offenheit und Spontanität, Ihr authentisches Mitfühlen und Mitmachen lassen sie schnell als dazugehörend erleben.

Wir  waren wirklich einmalig, praktisch alle Behinderungen waren vertreten. So hatten wir gelebte praktizierte Inklusion selbst unter uns: leichte Sprache für unsere 4 Lernbehinderten, wobei die 2 Gehörlosen und 3 Schwerhörigen genauso profitierten! Den Blinden erzählten wir beschreibend die Pantomime von Rolf und unsere Folien und Bilder. Gebärdensprache für die Gehörlosen und Langsamkeit für uns alle rundeten unsere „vielsprachige Kommunikation“ ab.

Zuerst betrachteten wir mit Elisabeth einen geschichtlichen Weg  wie die Gesellschaft mit Behinderten umgegangen sind vom „komischen Kauz“, den man versteckte über die Ausgrenzung in Heime, den Werkstätten bis zur Integration, dh. noch Anpassung an die Welt der Normalen und hin zur Inklusion, wo beide Seiten aufeinander zugehen auf gleicher Augenhöhe und die Anpassung gegenseitig wird mit möglichster Barrierefreiheit und gegenseitiger Achtung und Mitfühlen (Compassion). Dies ist der Punkt, wo die Gesellschaft heute steht.

Anhand von Bartimäus schauten wir auf unser Leben, unsere Erfahrungen. Rufen wir auch lauter wie Bartimäus und lassen uns vom Widerstand der Leute nicht aufhalten? Melde ich mich oder bleibe ich nur am Rande? Was darf ich verlangen, fordern? Wie erfahre ich Widerstand? Was stellt mich auf die Beine wie die Leute, die Bartimäus zurufen: „Hab Mut, Jesus ruft Dich?“ Gehe ich auf Jesus zu wie Bartimäus und wenn er mich fragt: Was soll ich Dir tun? Was ist meine Antwort, meine tiefste Sehnsucht? Geheilt, ob in der äusseren Behinderung oder im Herzen, drängt es mich auch, Jesus begeistert nachzufolgen?

Ich staunte über die Offenheit und Spontanität der Lernbehinderten! Ihre Aussagen waren zudem sehr trefflich: aus dem Herzen und nicht nur aus dem Kopf. In Heimen sind die Widerstände ganz anders als „draussen“. Je nach Temperament wagen wir uns zu wehren, unsere Bedürfnisse zu sagen. Es braucht Vertrauen dazu.

Was uns hilft und aufstellt? „Zusammen geht es besser“. „Wir brauchen alle einander ob normal oder nicht“. „Wir brauchen Menschen, die uns beruhigen, wenn wir keine Hoffnung und Kraft mehr haben“. Und unsere Sehnsucht? „Dazugehören, sich mitteilen zu können“, „wenn man mich hört und ich vertrauen kann“. Dies sind doch Aussagen, die für alle Menschen zutreffen können, denke ich. Nur, wir Betroffene spüren sie vielleicht schneller?

Was uns alle überraschte, wie dieser Nachmittag uns alle bereichert hat „Es hat mir gut getan“. „Bin gerne dabei gewesen, komme wieder“, so Neulinge, die Mut aufbrachten,  einfach einmal zu kommen und zu schauen. Staunen, „wie gut wir kommunizieren konnten“, „ein Herz und eine Seele wurden. Wie eine Familie“. Ob wohl Jesus auch unter uns gewesen ist?

Elisabeth Gimpert