Einsatz für hindernisfreien Klosterplatz Einsiedeln

Werner Ruch kämpft seit vielen Jahren für einen barrierfreien Klosterplatz. Nun könnte sich die Umsetzung verzögern. Dem Kloster fehlt das Geld. Werner Ruch ruft mit der Aktion «Hundert Stei für en Stei» zum symbolischen Kauf eines hindernisfrei geschliffenen Fluss-Steines auf. Eine Reportage von Eugen Koller. Erschienen im Pfarreiblatt Uri Schwyz Nummer 16 im August 2019.

Sie setzen sich für einen behindertengerechten Klosterplatz in Einsiedeln ein. Welches ist ihre Motivation dafür? 

Werner Ruch: Ich setze mich im Rahmen der «IG Hindernisfreier Klosterplatz Einsiedeln», die ich Ende 2012 zusammen mit Maria Hensler aus Einsiedeln und weiteren Interessierten gegründet habe, dafür ein, «dass in Zukunft alle Menschen - mit und ohne Behinderungen - das Kloster Einsiedeln hindernisfrei besuchen können». Im Rahmen dieser IG engagiere ich mich - motiviert wohl auch durch die eigene Betroffenheit - für eine hindernisfreie Erneuerung des Klosterplatzes, der wegen seines desolaten Zustandes ohnehin dringend saniert werden muss.

Wie gehen Sie vor und was braucht es von den finanziellen Mitteln dazu? 

Von Gesetzes wegen müssen öffentliche Gebäude und Anlagen heute hindernisfrei gebaut werden. Das Klostergelände macht es jedoch nicht einfach, diese Auflage zu erfüllen. Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen sind zu weiten Umwegen gezwungen, die sie jetzt nur mit grösster Kraftanstrengung bewältigen können. Dank unserer IG und meiner Mitarbeit in den Projekt- und Planungs-Teams des Klosters und des Bezirks Einsiedeln werden die Wege auf dem Klosterplatz nun mit geschliffenen Fluss-Steinen ausgelegt und «Rastplätze» gebaut. Das erleichtert nicht nur den Menschen mit einer Gehbehinderung oder mit Kinderwagen den Weg ins Kloster. Auch Menschen mit einer Sehbehinderung können sich entlang der hindernisfreien Wege an den ungeschliffenen Fluss-Steinen orientieren.

Das hat allerdings seinen Preis! Die gesamte Erneuerung des Klosterplatzes kostet rund 8 Millionen Franken. Dieser Betrag schliesst die Arkaden und die hindernisfreien Wege ein und muss vom Koster Einsiedeln über Spenden finanziert werden. Denn das Kloster Einsiedeln ist eine Territorialabtei und erhält darum keine Kirchensteuern. Zurzeit fehlen noch zwei Millionen Franken insgesamt. Damit die Arbeiten für die hindernisfreien Wege noch diesen Herbst begonnen werden können, müssten bis dahin mindestens 500 Tausend Franken eingegangen sein.

 

Wenn die Bsetzisteine nicht abgeschliffen sind, ist das Vorwärtskommen mit Rädern schwierig. Foto: zVg 

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt und wen holen Sie ins Boot? 

Die Planungsarbeiten sind weitestgehend abgeschlossen und die freiwillig und unentgeltlich erbrachte Unterstützung der IG Hindernisfreier Klosterplatz Einsiedeln ist damit eigentlich erfüllt. Schon immer war es mir ein Anliegen, nicht nur einen hindernisfreien Klosterplatz zu fordern, sondern das Kloster auch bei der Beschaffung der dafür notwendigen finanziellen Mittel zu unterstützen. Deshalb habe ich als Vorsitzender und letztes noch aktives Mitglied der IG beschlossen, die Aktion «Hundert Stei für en Stei» zu starten und dabei Menschen mit und ohne Behinderung zum symbolischen Kauf  eines hindernisfrei geschliffenen Fluss-Steines aufzurufen - mit dem Ziel den Betrag zusammenzubringen, der für den geplanten Baustart der hindernisfreien Wege in diesem Herbst noch aussteht, als 500 Tausend Franken bzw. 5'000 solcher Steine à 100 Franken. Dieser Aufruf richtet sich an alle - ob mit oder ohne Behinderung - aber auch an alle Firmen und Organisationen: Bitte helft mit, den Zugang zu diesem kulturell und historisch europaweit bedeutenden Wallfahrtsort mit dem symbolischen Kauf eines «Hindernisfreien Steines» für alle Menschen sicherzustellen. 

Aus eigener Betroffenheit als Rollstuhlfahrer setzt sich Werner Ruch für einen barrierefreien Einsiedler Klosterplatz ein. Foto: zVg 

 

Persönliches zu Werner Ruch 

Nachdem ich 1958 an Kinderlähmung erkrankt bin und zwei Jahre später als hoffnungslos am ganzen Körper gelähmt aus dem Spital entlassen wurde, brachten mich meine Eltern ins Kloster Einsiedeln, um mich segnen zu lassen. Ihre Hoffnung war, dass ich auf die Fürbitte Marias geheilt würde. Ich bekam die Kraft, damit zu leben - seit über 61 Jahren. Wenn das keiner Wunder ist!

 

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