Nachgang Weiterbildung „Paradidact“ im SPZ Nottwil

Rollstuhl-Fahren ist (k)eine Kunst...

Es war eine eindrückliche Erfahrung, unser Weiterbildungs-Tag im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil.  14 Freiwillige Assistenzen waren mit Jngeborg Hildbrand und Anna Wörsdörfer von der Kath. Behindertenseelsorge unterwegs, um sich einem Leben im Rollstuhl intensiver zuzuwenden.

Eine helle freundliche Begegnungshalle (mit ausgezeichneter Küche!) empfing uns freundlich. Viele junge Menschen im Rollstuhl führten uns emotional gleich ins Thema ein.

Im Raum der Stille, der für Glaubende aller Religionen und Kulturen einladend mit Symbolen gestaltet ist, konnten wir mit einem spirituellen Impuls den Tag gemeinsam beginnen. Dabei stand eine herausfordernde Aussage des Propheten Ezechiel im Vordergrund „Iss dieses Wort!“. Gottes gutes Wort einander weiter- und zusagen, es verkosten und sich als Nahrung für unser Leben „auf der Zunge zergehen lassen“, waren eröffnende Gedanken.

 SPZ: Eine Idee. Ein Konzept. Ein Werk.

Das Thema „Querschnittslähmung“ sollte aber schon bald etwas sein, auf dem man wohl länger „herumkaut“. Unser kompetenter Referent, Herr Harry Sutter, der selbst seit 17 Jahren nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, strahlte zu unserem Erstaunen grosse Lebensfreude und Zuversicht aus. Er hat selbst im SPZ als Sozialarbeiter einen neuen Weg, eine berufliche Perspektive für sein Leben gefunden. Eindrücklich stellte er Ursachen und Folgen von Para- und Tetraplegie dar und gewährte einen Blick in die strategischen Leistungsfelder des SPZ: Solidarität, Medizin, Integration und lebenslange Begleitung, Forschung.

 Rollstuhlschieben leicht gemacht

In der Sporthalle  konnten wir verschiedene Rollstühle anschauen und auch ausprobieren. Wie fahre (stosse) ich einen Rollstuhl sicher eine Treppe hinauf und hinunter? Wie gelingt mir das mit einer rückenschonenden Haltung? Manchmal ist es auch da besser zu zweit zu arbeiten.

Mit einem kleinen Spiel durften wir erleben, dass auch mit Rollstuhl Sport riesig Spass machen kann und  Leistungssport in diesem Bereich hohe Anerkennung verdient. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Der Mensch steht im Mittelpunkt

Eine Führung durch das SPZ war nicht nur informativ, sondern führte uns auch das Grundkonzept, die Vision vor Augen, die Herr Guido A. Zäch 1975 hatte:

„Ganzheitlichkeit in Behandlung, Rehabilitation und bestmögliche Integration von querschnittsgelähmten Menschen in die Gesellschaft.“ Wer hier als Patient ins Zentrum kommt,  wird ein Leben lang begleitet. Alle menschlichen Bereiche werden dort professionell angeschaut und mit dem Patienten besprochen. Von der Physiotherapie bis hin zum optimal angepassten Rollstuhl, der barrierefreien Wohnung zuhause, einer neuen beruflichen Perspektive und auch das Wieder-Einüben des selbständigen Autofahrens - alles ist im Blickfeld. Das macht Mut. Das macht Hoffnung.

Eine weitere Selbsterfahrung und praktisches Üben bildete den Abschluss des Tages. Mit der Physiotherapeutin, Frau Jessica Decker, erlernten wir den optimalen Transfer vom Rollstuhl ins Bett und ebenso auch mit sicheren Handgriffen an den richtigen Körperstellen aus dem Bett in den Rollstuhl.

Natürlich bleiben Vertrauen, das gute Gespräch, der Kontakt zwischen Rollstuhlfahrer und Assistenz die Grundlagen für das Gelingen des gemeinsamen Unterwegsseins.

Tief beeindruckt und sehr berührt kehrten wir zurück in unsere eigene Welt, bereit beim nächsten Einsatz selbstsicherer mit anzupacken, wenn jemand um unsere Unterstützung bittet.

Anna Wörsdörfer